So treffen Sie immer den richtigen Ton

„Der Ton macht die Musik“ – nicht umsonst ist diese Redewendung noch immer beliebt. und vielleicht auch der Grund für den Vormarsch der Sprachnachrichten. Denn ohne kommt es in Chats schnell zu Missverständnissen. Aber auch mit Ton beweisen wir manchmal nicht das richtige Fingerspitzengefühl.

Wie oft passiert ist, dass wir in eine Situation hineinrutschen, etwas sagen und noch im gleichen Moment spüren: Das war nicht der richtige Ton. Da ist es dann schon ausgesprochen. Und hat gewirkt. Selbst wenn wir jetzt zurückrudern, können wir es nie wieder ganz zurücknehmen. Ton hat die (in dem Fall unangenehme) Eigenart, schneller, tiefer und persönlicher Wirkungen auszulösen, als Worte. Und die Wirkung des Tons bleibt haften. Positiv und negativ.

Lassen Sie sich nicht in eine Ecke drängen!

Besonders häufig versagt uns unsere Stimme ihren Dienst in Situationen, in denen wir gestresst sind, verunsichert, wütend oder uns in die Ecke gedrängt fühlen. Geraten wir und damit unsere Stimme in eine Abwehrhaltung, sind wir kaum noch in der Lage, das zur Situation passende Fingerspitzengefühl aufzubringen – die Stimme ballt sich viel eher zur Faust. Sie bekommt einen zu scharfen, „giftigen“ Klang oder sie bricht, wird rau. Sie findet nicht ihren richtigen Ton!

Wie klingt eigentlich IHRE Stimme? Was ist Ihr richtiger Ton?

Klar, gibt es Situationen, in denen wir unsere Stimme erheben sollten, aber es sollte immer unsere eigene sein. Wenn der Klang, den wir selbst von uns hören, nicht mit unserem Inneren kongruent ist, dann wissen wir genau, dass wir nicht den richtigen Ton finden. Aber wie bleiben wir uns stimmlich treu?

Stimmklang ist in ständiger Veränderung, abhängig von der Atmung – wohin sie im Körper geht, welchen Tonus wir in den Muskeln haben. Sind wir zu gespannt, dann bekommt die Atmung wenig Platz und so verschärft sich der Klang der Stimme. Ist der Tonus zu weich, dann hat der Atem nicht genügend Energie, die Muskulatur im Kehlkopf ist zu locker und so wird der Klang der Stimme zu leise, weich, brüchig.

Hören Sie sich auch mal selbst zu!

Auf die eigene Stimme zu horchen, ist ein sehr wirkungsvolles eigenes inneres Instrument, wenn wir im Leben den richtigen Ton finden wollen. Wer seine Stimme besser kennt, spürt auch immer besser, in welchen Tonus uns die jeweilige Situation gerade versetzt. Es ist wie ein konstantes inneres Feedback, wie ein Zwiegespräch mit sich selbst. Das hilft uns, die Situation neu zu steuern. Beweglich zu sein.

Auch wenn es immer wieder Trends und Tipps beispielsweise für Frauen gibt, ihre Sprechstimme tiefer zu legen. Besser ist es, eine bewegliche Stimme zu haben, die unsere Emotionen durchscheinen lässt: Denn sicher möchten Sie, dass Ihre Liebste oder Ihr Liebster an Ihrer Stimme hört, wie sehr Sie sie lieben. Zärtlichkeit, Innigkeit, Begeisterung soll ebenso durchklingen dürfen wie beispielsweise Klarheit, Sachlichkeit, Stärke. Diese Beweglichkeit können Sie steuern lernen. Indem Sie das innere Feedback, das Zwiegespräch mit Ihrer eigenen Stimme lernen, vertiefen. Und sich selbst dann aus Situationen mit zu hoher oder zu niedriger Spannung zu führen in einen gelassenen, souveränen Zustand.

Im Stress wird die Atemmuskulatur in Rücken, Brustkorb und im Bauch gespannt. Das macht Stimmen „schmal“ und hart. Sie können es lernen, aus diesem Automatismus auszusteigen. Sie brauchen sicher etwas Übung dazu: Sie hören plötzlich, dass Ihre Stimme den einen Grad zu hart ist. Sie spüren, dass Sie hoch gespannte Muskeln haben. Sie legen eine Pause ein. Gehen auf etwas Abstand zum Geschehen. Sie nehmen sich Zeit, einen Moment das Ein- und Ausatmen zu spüren. Sie lassen Brustkorb, Bauch und Flanken weich werden, den Atem wieder tief und gelöst werden. Geben ihm Platz. Auf stimmlicher Ebene wird die Stimme wieder weicher, offen. Verliert ihre abweisende Farbe und lädt zum Kommunizieren mit Ihnen ein. Auf seelischer Ebene werden Sie wieder souverän und kommen zur Ruhe.

Verbundenheit durch Stimme

Ein anderes Geheimnis für einen beweglichen Klang ist, wie gut wir verbunden sind mit unseren Grenzen. Die erleben wir nur in den Körperstellen, in denen wir Widerstand bekommen. Wenn wir stehen, sind das die Fußsohlen. Wenn wir sitzen, können wir den Kontakt mit dem Widerstand im Gesäß, im Rücken und auch in den Füßen spüren. Versetzen Sie sich in eine berufliche Situation, in der Sie sich geärgert haben, vielleicht, weil unsere Meinung übergangen wurde. Fragen Sie sich einmal:

Wie gut haben Sie in dem Moment Ihre Gewicht auf dem Stuhl, den Kontakt zwischen Füßen und Boden oder an der Rückenlehne gespürt?

Eine häufige Erfahrung ist, dass wir genau dann kaum etwas davon wahrgenommen haben.

Eine stressfreie Stimme, die Ihre Souveränität und Kommunikationsbereitschaft ausstrahlt, hat immer ihren „Halt“, ihre Unterstützung im Boden. Ihre Verbindung mit den Grenzen des Körpers, mit dem Widerstand an Füßen, Gesäß und Rücken. Auch hier empfiehlt sich Übung. Ich schlage dazu immer alltägliche Situationen vor: im Supermarkt an der Kasse, im Auto an der Ampel. Lernen Sie, sich innerlich schnell zu „scannen“ und die Verbundenheit mit einem sicheren Stand oder Sitz kontinuierlich wieder herzustellen. Sich beim Telefonieren bewusst mit dem Rücken anzulehnen: das eigene Gewicht spüren gegen die Rückenlehne, erleben, dass Ihnen das Ruhe gibt, die Atmung wieder tief und entspannt wird. Beobachten Sie dabei die (wahrscheinlich) sehr feine und eindeutige Veränderung im Stimmklang. Wenn Sie stehen – lösen Sie die Knie, verbinden Sie sich mit der Auflage zwischen Füßen und Boden. Sie geben sich selbst buchstäblich Halt. Und Ihre Stimme bleibt souverän und klar.

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